Sonntag, 10. März 2024, 16:00 Uhr

Kammerphilharmonie Bad Nauheim

Dirigent: Uwe Krause

Solist: Nicolas Cock-Vassiliou (Oboe)

  • Josef Haydn: Sinfonie Nr. 94 (Paukenschlagsinfonie)
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Konzert für Oboe und Orchester C-Dur KV 314
  • Franz Schubert: Sinfonie Nr. 2 B-Dur

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    Der große „Rumms“ kommt nach 16 Takten leise säuselnder Dreiklangsbehaglichkeit. Der akustische Knalleffekt ist ein fetter Paukenschlag, der dem Werk seinen Namen gegeben hat: „Sinfonie mit dem Paukenschlag“. Laut musikhistorischer Legendenbildung soll ihn Joseph Haydn in den langsamen, zweiten Satz hineinkomponiert haben, um das träge Publikum aus seinem konzertanten Tiefschlaf zu wecken. Aber was will uns der Meister damit sagen? Etwa Selbstironie? Oder vielleicht Spott über die musikalischen Belanglosigkeiten seiner frühklassisch-empfindsamen Kollegen? Musikalisch war Joseph Haydn ein heimlicher Revolutionär, dessen Werk mehr subversive Doppelbödigkeit, formale Komplexität und Geistesschärfe besitzt, als es ihm viele seiner nachgeborenen Interpreten und Hörer zutrauen.

    Text von Markus Vanhoefer


    Wolfgang Amadeus Mozart komponierte sein Oboenkonzert für Giuseppe Ferlendis, den gefeierten Oboenvirtuosen an der Hofkapelle in Salzburg. Während Mozart in Mannheim ist, führt einer der besten Oboisten der Mannheimer Hofkapelle, Friedrich Ramm, dieses „Schlachtross“, wie Mozart es nennt, auf. Die Ursprungsfassung wurde erst 1950 wiederentdeckt.

    Franz Schubert schrieb seine Sinfonie Nr. 2 von Dezember 1814 bis März 1815 und widmete sie Innocenz Lang, dem Direktor des Wiener Stadtkonvikts, das Schubert von 1808 bis 1813 besucht hatte. Die erste wirklich öffentliche Aufführung der Sinfonie fand jedoch erst 49 Jahre nach Schuberts Tod im Jahre 1877 in London durch den Musikforscher George Grove statt, der in dieser Zeit alle Schubert-Sinfonien zur Aufführung brachte.


SONNTAG, 21. APRIL 2024, 16:00 UHR

Kammerorchester Marburg

Dirigent: Martin Spahr

Nachtmusik

  • Antonin Dvořák: Notturno in H-Dur op. 40 für Streichorchester
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Eine kleine Nachtmusik, Serenade für Streicher in G-Dur, KV 525
  • Théodore Akimenko: Nocturne in D-Dur
  • Richard Heuberger: Nachtmusik op. 7
  • Georg Gershwin: Lullaby
  • Alexander Borodin: Nocturne aus dem Streichquartett Nr. 2

Sonntag, 5. Mai 2024, 16:00 Uhr

Sinfonieorchester Bad Nauheim

Dirigent: Florian Erdl

Solist: Marius Siegenthaler (Klavier)

  • Carl Maria von Weber: Ouvertüre zu „Euryanthe“
  • Robert Schumann: Klavierkonzert a-Moll op. 54
  • Felix Mendelssohn-Bartholdy: Ein Sommernachtstraum (Auszüge der Bühnenmusik)

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    Webers musikalisch wohl aufregendste Oper „Euryanthe“ führt bis heute aufgrund des verunglückten Librettos nur ein Schattendasein in der Opernwelt. Auf der Konzertbühne wurde die Ouvertüre zu Euryanthe aber begeistert aufgenommen. Carl Maria von Weber greift in der Ouvertüre wirkungsvoll die dramatischen Konflikte der Bühnenhandlung auf. Der festliche Aufschwung zu Beginn führt zu einem geheimnisvollen Klangteppich der Streicher im Largo-Teil. Es folgt ein kurzer Fugato-Abschnitt, der zur Reprise der festlichen Themen und zum hymnisch-jubelnden Abschluss führt.

    Robert Schumann entwirft im Frühsommer 1841 gleichzeitig drei große sinfonische Werke.

    „Vorher möchte ich so gern noch ein Clavierconcert und eine Symphonie schreiben“, notiert Schumann und beginnt direkt nach Abschluss seiner 1. Sinfonie im Mai 1841 mit einer „Phantasie für Clavier und Orchester“. Am 13. August 1841 erfolgt im Leipziger Gewandhaus eine erste Probe dieser „Phantasie“ mit Clara Schumann als Solistin, die festhält: „Ich spielte sie aber zwei mal, und fand sie herrlich! Fein einstudiert muß sie den schönsten Genuß dem Zuhörer bereiten. Das Clavier ist auf das feinste mit dem Orchester verwebt – man kann sich das Eine nicht denken ohne das Andere.“ Der mit Allegro affettuoso für Pianoforte mit Begleitung des Orchesters bezeichnete Satz ließ sich aber bei keinem Verleger verkaufen. So arbeitet Schumann im Frühsommer 1845 die „Phantasie“ zum Kopfsatz des uns heute bekannten Klavierkonzerts um, das mit Clara Schumann am 4. Dezember 1845 eine erfolgreiche Uraufführung erfuhr. Die zeitgenössische Rezeption des Werkes war durchweg positiv. Besonders hervorgehoben wurde die gekonnte, farbenreiche und selbständige Orchesterbehandlung, welche Klavier und Orchester gleichermaßen Raum lasse. Trotz seiner Dreisätzigkeit hat das Konzert den Charakter einer Phantasie behalten. Die Grundgedanken des Werkes sind die Sehnsucht und das Glück zweier sich liebender Menschen.

    Im Theater des Neuen Palais in Potsdam wird am 14. Oktober 1843 Felix Mendelssohn-Bartholdys Bühnenmusik zum „Sommernachtstraum“ uraufgeführt. Jahrelang schon kannte und liebte man die „Sommernachtstraum“-Ouvertüre Mendelssohns, als der preußische König, Friedrich Wilhelm IV., auf eine Idee kam: Das damals rund 250 Jahre alte Schauspiel Shakespeares sollte komplett mit Bühnenmusik Mendelssohns zum Besten gegeben werden! Der Komponist zögerte nicht lange, im Handumdrehen entstand ein Dutzend neuer Nummern. Scheinbar schwerelos huschen Elfen und Feen im Dreiachteltakt über die Szene. Täppisch unbeholfen hingegen tanzen Rüpel: Aus dem Geigentutti ist ein stilisierter Eselsschrei zu vernehmen, im Stück dem verzauberten Handwerker Zettel zugeordnet. Am Ende des nächtlichen Reigens heiraten Hippolyta und Theseus, Hermia und Lysander, Helena und Demetrius. Der Hochzeitsmarsch, der heute in Kirchen bei vielen Hochzeiten auf der Orgel erklingt, schmettern Trompeten-Fanfaren mit vollem Orchester zum Finale. Mit mehr Leichtigkeit und doch auch musikalischen Tiefgang als in Mendelssohns Sommernachtstraum können Töne und Klänge „Beziehungskisten“ wohl kaum spiegeln.


Sonntag, 9. Juni 2024, 16:00 Uhr

Kammerphilharmonie Bad Nauheim

Dirigent: Uwe Krause

Solist: Kris Garfitt (Posaune)

  • Igor Strawinsky: Danses concertantes
  • Henri Tomasi: Konzert für Posaune und Orchester
  • Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 3 Eroica

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    Für ein Unterhaltungsorchester im sonnigen Kalifornien schrieb Igor Strawinsky 1941/42 seine fünf Konzertanten Tänze, die eigentlich eine verkappte Ballettsuite sind. Das Werner Janssen Orchestra spielte sie erstmals 1942 unter der Leitung des Komponisten und schon zwei Jahre später schuf George Balanchine dazu in New York eine legendäre Choreographie. In der Tat handelt es sich um anmutige Tänze im Stil des Neoklassizismus, die nach der Szene zu rufen scheinen. Die beiden Märsche zu Beginn und am Ende sind der Auftritt und Abzug der Tänzer, die beiden Zwischensätze deuten schon in ihren Titeln auf das Ballett hin: auf den Pas d’action, das Handlungsballett, und den Pas de deux, den Duotanz von Primaballerina und erstem Tänzer. In der Mitte stehen vier Solovariationen über ein Thema.

    Zurückhaltend ist die Musik von Henri Tomasi nun wirklich nicht. Der französische Komponist mit korsischer Abstammung legte viel Wert auf Individualität. Für ihn kommen musikalische Systeme nicht in Frage. Seine Musik soll nicht für den Verstand und Richtlinien gelten, sondern das Publikum bewegen und zum Fühlen bringen. Er gestaltet seine moderne Musik durch das Nutzen unterschiedlicher Genres, Besetzungen, musikalischer Stile und Elemente der orientalischen, korsischen und kambodschanischen Musik – so auch in diesem Konzert.

    Zur Zeit ihrer Entstehung revolutionierte die „Eroica“ die Musikgeschichte, Ludwig van Beethoven selbst nannte sie seine bedeutendste Sinfonie.

    Dezember 1804. Beethoven war rasend vor Wut: Hatte sich der von ihm zuvor innig verehrte Napoleon Bonaparte doch tatsächlich selbst zum Kaiser gekrönt! Dem Freiheitsideal des Komponisten stand das diametral entgegen. Den Plan, seine kurz zuvor fertiggestellte Sinfonie Nr. 3 Bonaparte zu widmen, verwarf er daraufhin. Die Enttäuschung über das einstige Vorbild saß tief. Beethoven war elektrifiziert von der Persönlichkeit Bonapartes, mit dessen Idealen er damals erstmals in Berührung kam. Begeistert vom Gedankengut der Französischen Revolution mit ihrer Forderung nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, schien Napoleon ihm zunächst die geeignete Persönlichkeit, jene Grundsätze in Europa zu etablieren.


Sonntag, 22. September 2024, 16:00 Uhr

Kammerphilharmonie Bad Nauheim

Dirigent: Uwe Krause

Solistin: Selma Spahiu (Violine)

  • Ludwig van Beethoven: Violin-Konzert D-Dur op. 21
  • Robert Schumann: Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120

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    Holpriger Start für ein Meisterwerk

    Wien, 23. Dezember 1806. Ludwig van Beethovens Violinkonzert wird uraufgeführt. Der Saal des Theaters an der Wien ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Wenn der Geigenvirtuose und Orchesterdirektor Franz Clement seine Musikalische Akademie veranstaltet, darf man sich das als Wiener eben nicht entgehen lassen. Hinter der Bühne macht sich der 26-jährige Clement bereit für seinen Auftritt. Normalerweise ist er bei Solokonzerten die Ruhe selbst, immerhin stand er schon mit neun als Wunderkind auf dem Podium. Heute jedoch ist Clement ungewöhnlich angespannt. „Ist ja auch klar“, denkt er sich. „Beethoven hat mir immerhin erst vor 48 Stunden die Noten seines neuen Violinkonzerts in die Hand gedrückt.“ Zugegeben, er hat das Konzert auch ziemlich kurzfristig in Auftrag gegeben. Als Höhepunkt seines Konzerts sozusagen. „Und nun habe ich nicht mal genug Zeit, um alle Stellen zu proben.“ Da muss Clement jetzt durch. Mit souveräner Haltung betritt er die Bühne, nickt seinen Orchesterkollegen zu und gibt den Einsatz…

    Text von Antonia Morin und Thomas Schulz

    Fast schon tragisch ist die Tatsache, dass die 4. Sinfonie von Robert Schumann bei ihrer ersten öffentlichen Aufführung beim Publikum durchfiel. Denn für Schumann, der sich aus großer Freude über die bitter errungene Heirat mit Clara Wieck voller Tatendrang und Schaffenseifer an die Komposition machte, handelte es sich um eine aufrichtige Herzensangelegenheit. „Wahrhaftig meine nächste Sinfonie soll Clara heißen“, ließ er verlauten und stellte die Arbeit an dem Werk am 13. September 1841, dem 22. Geburtstag seiner geliebten Ehefrau fertig.

    Die Sinfonie war jedoch andersartiger, als es sich das damalige Publikum vorstellte. Schumanns Konzept von einem durchkomponierten Werk ohne Pause, weg von der traditionellen viersätzigen Form hin zu einer offenen, sich fortlaufend weiterentwickelnden Struktur, stieß beim Publikum der Uraufführung auf Unverständnis

    Die Uraufführung der revidierten Fassung erfolgte am 3. März 1853 – und wurde ein großer Erfolg.


Sonntag, 10. November 2024, 16:00 Uhr

Junges Sinfonie-Orchester Wetzlar

Dirigent: Hamed Garschi

Solistin: Usha Kapoor (Violine)

  • Astor Piazzolla: „Five Symphonic Tangos“
  • Georg Gershwin: „Fantasy on Porgy and Bess“ für Orchester und Solo-Violine (Arr. Alexander Courage)
  • Antonín Dvořák: 9. Sinfonie e-Moll op. 95 „Aus der neuen Welt“

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    Wenn Komponisten Musik auf der Straße hören und in den Konzertsaal bringen, erklingt sie dort meist sehr viel eleganter ist dann oft kaum noch wiederzuerkennen. So ist es dem Ragtime und dem Blues ergangen, dem Jazz und der europäischen Folklore. Ein Tango von Astor Piazzolla dagegen riecht immer noch nach Kneipe und schummrigem Tanzlokal, ist rau, leidenschaftlich und ein bisschen frivol. Mit seinem „Tango Nuevo“ hat der 1992 verstorbene Argentinier Piazzolla das wohl wichtigste musikalische Erbe seines Landes künstlerisch veredelt und zugleich dessen Ursprung bewahrt.

    Zu diesen Komponisten kann man aber auch George Gershwin zählen, der sich vor allem durch seine bekanntesten Orchesterkompositionen „Rhapsody in Blue“, „Ein Amerikaner in Paris“ und „Porgy and Bess“ einen Namen machte. Gershwin komponierte sowohl Stücke für den Broadway als auch klassische Konzerte. 1935 erlebte Gershwins Oper Porgy and Bess seine Uraufführung am Broadway in New York. Im Konzertsaal wurden die Melodien der Oper weniger durch Gershwins eigene Porgy and Bess-Suite populär, die erst 1958 wieder auftauchte, als vielmehr durch ein Symphonic Picture von Bennett. An dieser Vorlage orientierte sich Alexander Courage in seiner Porgy and Bess-Fantasie für Violine und Sinfonieorchester – ein unglaublich virtuoses Stück für Solist und Orchester voller Spiritual-, Blues- und Jazz-Elemente.

    Auch Dvořák schöpfte für seine Sinfonie „Aus der neuen Welt“ seine Inspiration aus der Volksmusik: Aus dem Geiste von Spirituals, Plantagenliedern aus den Südstaaten und Indianermelodien, die er sich vorsingen lässt, wollte Antonín Dvořák seinen Auftrag erfüllen, eine amerikanische Nationalmusik zu entwickeln. Tatsächlich scheint seine 9. Sinfonie, die er als erstes Werk zu Beginn seiner knapp dreijährigen Zeit in Amerika komponiert, einige Elemente dieser Lieder aufgegriffen zu haben. Geprägt ist das Werk gleichermaßen aber auch von den musikalischen Eindrücken aus Dvořáks tschechischer Heimat und charakterisiert so die Synthese verschiedener musikalischer Elemente.